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ZURUECK

Inselhin - Teil 2

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Aber Henrigg war misstrauisch. Allem, was man ihm aus freien Haenden zu geben schien, selten genug geschah es, misstraute er. Wenn sie es ehrlich meinten, die Haende, warum hatten sie nicht geholfen, als er es brauchte? Er hatte sich sein Leben erkaempfen muessen, er gegen die anderen Waisen. Die Fischgrapscher, so hatte man sie in der Stadt genannt. Am Hafen, am Marktplatz lungerten sie herum, rangen untereinander um Reste, um Abfaelle, um unbewachte Ware, wann immer sie etwas erspaehten. Sie mussten nicht nur schneller sein als die anderen, die unter dem gleichen Schmutz und den gleichen Lumpen kaum voneinander, kaum von sich selbst zu unterscheiden waren, sondern auch schneller als die gemeinsamen Feinde, die Moeven, und die Ratten.

Die Moeven waren flink, und sie sahen am schnellsten, wo es etwas zu holen gab, aber die schlauen Fischgrapscher beobachteten scharfaeugig ihren Flug, ahnten beinahe vor dem Vogel selbst, wann und wo er herabstossen werde.

Die Ratten waren eine andere Sache, einige von ihnen waren sehr gross, gross genug, um eine ganze Hand, einen halben Arm abzubeissen, ein viel schmackhafteres Mahl als dass, was sonst so in der Gosse herumlag. In den alten Tunneln unter der Stadt trieben sich viele solcher Ratten herum, und obwohl die Tiere gejagt wurden, sobald sie aus ihren Loechern kamen, wagten sie sich doch immer wieder aus dem Dunkel hervor.

Fischiger Geruch stieg von den unter ihm rudernden Aquides auf, Kreaturen, deren Ahnen von Verwuchs solange verzerrt worden waren, bis sie in dieses giftige Meer passten, Mischwesen aehnelnd von Haien und Menschen. Aquides... sie waren wild, blutgierig, auch ihre Seelen hatten haigestalt angenommen. ohne Schaden tauchten sie durch die Wellen, die Humanes ueber die Jahre zu verwachsenen Zerrgestalten formten. Immer weiter schwammen ihre Kinder hinaus, dem leeren Horizont entgegen, immer weiter entfernten sie sich von der felsigen, gischtumtobten Kueste. Immer laenger verschwanden sie in der lichtlosen Tiefe, um geheimnisvoll und spitzzaehnig laechelnd wieder aufzutauchen. Vielleicht waren sie bereits das, was die See fuer alles Leben im Sinn hatte, vielleicht verwandelten auch sie sich, nur langsamer, wuerden sie in Jahrhunderten Wasser atmen statt Luft, wuerden sie durch die blaue Endlosigkeit gleiten, frei und einsam, einander fremd, Haifischseelen.



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