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ZURUECK

Inselhin - Teil 4

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Henrigg hatte eine schwere Kindheit in Graukliff gehabt, eine schwere Jugend. Lange Zeit war ein Tag wie der naechste gewesen. Alles andere ging irgendwie verloren zwischen dem Hunger, der Pruegeln der Haendler, wenn sie ihn erwischten, den Kaempfen mit den anderen. Fiel in die Ritzen seines Gedaechtnisses. Und dann, bei einem Stassenkampf, wie immer ging es um Nahrung,
der Stein.
Der Stein, der ihn traf an der Stirn, und eine Wand aus Schwaerze mit sich brachte.

Er hatte lange bewusstlos gelegen, zumindest vermutete er dass, und auch an die erste Zeit danach konnte er sich nur muehsam erinnern. Es gab Bilder, aber sie schien nicht zu ihm zu gehoeren, sie waren wie an den Strand geworfenes Treibgut aus seiner Zeit unter dem Meer. Es musste mehr als ein Monat gewesen sein, das hatte er sich spaeter zusammengezaehlt. Irgendwie hatte er ueberlebt, hatte er die Scherben seines Gedaechtnisses aufgelesen und zusammengesetzt. Vielleicht hatte er nicht alle gefunden, vielleicht waren einige darunter, die nicht von ihm stammten. Denn die Wunde wolte nicht heilen, die Wunde in seinem Gesicht. Eine lange, roetlich geschwollene Narbe zog sich haesslich verworfen waagerecht ueber seine Stirn, bestaendig eiternd. Nun, andere hatte der Verwuchs schlimmer gezeichnet. Henrigg hatte sich schon damit abgefunden, bis er den ersten Seetraum hatte.

Eigentlich war es ein Traum, ein Traum, der wiederkehrte wie die See mit der Flut. Und der Seetraum war anders, er schien weit weg zu sein, weiter, als alles andere, was Henrigg je gesehen hatte, und war dennoch klar wie Glas - wie eine Landschaft aus buntem Glas auf schwarzem Samt. Aber so wirklich. Als koenne er ihn bereuhren. Henrigg meinte, nicht den traum zu traeumen, sondern im Traum vor seinen Visionen zu stehen. Der Seetraum war so wirklich, dass er seinen Beginn mit dem Aufwachen verwechselte.



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