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ZURUECK

Inselhin - Teil 6

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Und so hatte er sich nach oben gekaempft, er, der Mutant mit den drei Augen. Er hatte die Lumpen abgestreift, sich einen Namen gegeben: Henrigg. Henrigg, der Seher von Graukliff. Denn sein Auge sah in die Herzen der Humanes, der Aquides, der Ikarim und der Maden, sah in diese Schlangengruben. Und Henrigg laechelte leise wenn er sie sah, denn nun kannte er ihre Daemonen, und wusste, mit welchen Worten er sie beherrschen konnte. Es war einfach. Er lernte, die Schlangen in den Herzen zu durchbohren mit seinem Auge, und sie tanzten nach dem Takt, den seine zuckende Pupille vorgab. Und alle, die verwachsenen Fischer, die gierigen Wachen des Koenigs, die Renegaten und die Schreiber, sie alle waren nichts als Schatten, und die Wahrheit waren Herzen voller Schlangen. Er betrog, er erpresste, er zerbrach, den, der meinte, ihn unter sich halten zu koennen.

In einen wallenden, augenbestickten Mantel gehuellt, trat er vor den Sklavenhaendlers Celvan und warnte ihm vor dem Betrug seines Schwiegersohnes. Dessen Haupt glotzte drei Tage von den Mauerzinnen, da erhielt der Seher die Hand von Celvan's Tochter. Den selben Mantel trug er, als er dem Koenig die Namen derer nannte, die den meisten Tribut versteckt hatten. Oft hatten man ihn verflucht in den naechsten Jahren, den Dreiaeugigen, den Augenmantel, und man war sich uneins ueber die Quelle seines Wissens. Aber Henrigg hatte nur mit den Schultern gezuckt, und laut gelacht, Traenen gelacht, als ein schlacksiger, dreckstarrender Knabe, wie er es einst gewesen war, ihm den Mantel von den Schultern gerissen hatte und, ihn mit aller Kraft umklammernd, in die naechste Gasse rannte. Drei Herzschlaege spaeter hatte er ihn immer noch an sich gedrueckt, waehrend Blut am Schaft eines Pfeils hinablief und ihn rot faerbte. Der Seher von Graukliff war in seinen letzten Tagen ein maechtiger Mann gewesen.

Henrigg stand am Bug und beobachtete, wie der Sturm auf sie zurollte. Schwarze Wolken entfalteten sich wie auslaufende Tinte, und die Dunkelheit im Westen peitschte gischtende Wellen vor sich her. Kuehl wartete er auf das auffrischen des Windes. Was immer die Elemente ihm entgegenschleudern mochten, nichts konnte ihn seinem Weg abbringen. Der Weg lag vor ihm, beinahe sichtbare, kristallene Zukunft unter der duenngespannten Gegenwart. Seine Gedanken schweiften kurz zu seiner Familie, sie warteten enggedraengt in der Heckkabine, gemeinsam mit Pfluegen, Saecken voll Saatgut, Sensen. Die Sensen hoben sich leise in seiner Vision, und Henrigg seufzte. Aber er ruehrte sich nicht. Die Sklaven: Die Aquides brueteten dumpf ueber ihren Rudern, er hatte schon vor einer Weile befohlen, sie einzuholen. Vor ihm verschwammen sie wie unter Wasser, letzte Luftblasen draengelten sich aus ihren Haifischmaeulern. So viele Zaehne, aber keine Kiemen. Mit einem Schulterzucken streifte er die Vision ab, sammelte sich. Der Wind fauchte ihm ins Gesicht, mit jeder Boe staerker. Aechzend schlidderte die Meerschwalbe von Woge zu Woge. Doch das alles trug Henrigg nur voran, weiter dem Traum entgegen, dem Seetraum, dem Sturm.
Dann gab es nichts anderes mehr.



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