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ZURUECK

Jakksens Erben - Teil 6

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Zerans Haus weckte viele Erinnerungen. Dort der staubige Hof, auf den ich mit nacktem Oberkoerper gelegen hatte, alle Viere von mir gestreckt, und mit einem halben dutzend Skorpione auf mir herumkrabbelnd, waehrend um mich herum dumme Tauschertoelpel versuchten, die armen Tiere zu erschrecken. Schadensfreude ist wahrlich die schoenste aller Freuden. Calia hatte mehrmals gesagt, was sie davon hielt.

Ich ging die Treppe hinauf, zu ihrem Zimmer. Den Wachen hatte man Anreiz gegeben, in eine andere Richtung zu blicken, wie immer. Nicht der kleinste dieser Anreize war es, das Licht des naechsten Tages erblicken zu duerfen, falls jemand meinte, seine Ehre sei mehr wert als eine handvoll Silber. Oben. Immer noch hing eine menschengemachte Silberscheibe an ihrer Tuer. Ich musste laecheln. Die Sonne bildete die gleichen Flecken auf dem Teppich, wie vor neun Jahren. Damals hatte einer meiner Skorpione eine Rose hinaufgetragen, und leise vor ihrer Tuer abgelegt. Und dann angeklopft und sich blitzschnell verkrochen. Es hatte mich Wochen gekostet, ihm das beizubringen. Alles fuer nichts. Ich streckte die Hand nach der Klinke aus, aber die Tuer schwang bereits nach innen. Dahinter stand Caila, mein wunderbare Caila, und sie hielt eine Pistole auf mich gerichtet.

Sie starrte mich an, als haette sie ein Gespenst gesehen. Oder den leibhaftigen Tod. Sie hatte wohl nicht erwartet, den Moerder zu kennen. Ihr Blick stieg hinab zu der kleinen Schachtel in meinen Haenden, der kleinen Schachtel mit dem durchloechertem Deckel.
"Was ist da drin, Jakksen?" fragte sie mich, leise, anklagend.
"Reicht es nicht, das zu versuchst, meinen Geliebten zu toeten, willst du in deiner Eifersucht auch noch mich umbringen?"
Das tat weh. Aber woher sollte sie es wissen? Was kannt ein Schurke und Halunke schon erwarten, das die Leute von ihm denken? Ich weiss, dass ich den Kopf senkte, und dass meine Stimme bruechig war, als ich ihr antwortete.
"Dich toeten? Und du glaubst das wirklich? Angenommen, in dieser Schachtel waeren Skorpione. Dann wearest Du verloren. Du koenntest mich erschiessen, aber Du wuerdest selber nicht mit dem Leben davonkommen, sie wuerden dich trotzdem kriegen."
Ich blickte sie an, vielleicht war es die Logik meines Argumentes, vielleicht die Traenen in meinen Augen, die sie ueberzeugten.
"Ich werde dir jetzt zeigen, was darin ist. Wenn es dir nicht gefaellt, wenn du meinst, dass ich gekommen bin, um dich zu toeten, dann kannst Du mich immer noch erschiessen."

Ich atmete ein paarmal tief durch, versuchte, den Schmerz in meiner Kehle zu loesen. Dann oeffnete ich die Schachtel, und sie schoss nicht.
"Dein Vater hat die Sturheit, sich gegen die Zitadelle zu stellen. Ich sollte dich toeten, als letzte Warnung. Mach ihm klar, wie gefaehrlich das ist. Er kann nicht gewinnen. Mach ihm das klar. Ich werde euch Zeit verschaffen, und eine bessere Verhandlungsbasis, aber er muss einsehen, dass er nicht gewinnen kann. Ich wollte dir diese Waffe geben, damit du dich verteidigen kannst, aber offensichtlich bist du schon gewarnt und vorbereitet. Aber das ist nicht genug. Sie sind staerker, und sie sind mehr. Du musst das einsehen, und dein Vater muss dass einsehen."

Einen Moment war sie sprachlos, dann fragte sie mich, wie sie mir helfen koenne. Kannst du mich lieben, fragte ich zureuck, aber ich kannte die Antwort bereits, und ich beeilte mich, hinauszukommen. Es war Mittag.



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