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ZURUECK

Jakksens Erben - Teil 1

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Ich liebe die Sonne. Wenn ihr Licht grell und schwer jede Bewegung erdrueckt und in den Ohren droehnt, wenn die ganze Welt sich in ihrem Bann nur zaeh und langsam voranschleppt. Dann dehnt sich die Zeit wie schmelzender Rabber, und der Mittag scheint ewig zu dauern. Ich liebe den Mittag, wenn die Stadt sich in ihren Haeusern verkriecht. Und nicht nur die Erben verkriechen sich, nein, auch die Skorpione.

Einen von ihnen, von den Skorpionen, sehe ich, wie er sich im Schatten einer verbeulten Blechtonne versteckt. Er ist ziemlich gross: Wie er wohl im Sonnenlicht aussieht? Ich trommle leicht mit den Fingern auf den rissigen Konkrit. Lockend. Ich kann nicht genau beschreiben, wie ich es mache. Es ist, als ob ich meinen Herzschlag in das leise Trommeln meiner Finger kodierte, eine Art schwebender Morsekode. Der Skorpion kommt aus seinem Versteck hervor, widerwillig, aber er hat keine Wahl. Ein wenig, wie ich zur Zitadelle kam, als sie nach mir rief.

Es ist ein interessantes Exemplar, blutrot, mit drei hellblauen Punkten auf jeder seiner beachtlichen Zangen. Eine Art Linie, mit zackigen Auswuechsen nach den Seiten, auf dem gepanzerten Ruecken. Fast wie ein Schmetterling. Die waren selten, hier, nahe der Wueste. Ich lasse ihn gehen, ein so schoenes Tier sollte frei sein. Es ist seltsam, die Natur scheint, so kurz vor ihrem Ende, noch einmal ihr Aeusserstes zu geben, als wollte sie versuchen, alle ihre Ideen, ihre Traeume wirklich werden zu lassen, solange sie noch konnte. Unsinn, natuerlich: Selektionsdruck fuehrt zu Diversifizierung, vom Verwuchs ganz zu schweigen. Aber es erinnert mich daran, was meine Opfer tun, wenn sie begreifen, dass diese Handvoll Atemzuege ihr ganzes Leben sind. Auf seine Weise ist es erbauend.

Schoenheit. Schoenheit hat mich immer gebannt, vielleicht, weil sie so zerbrechlich ist, und doch an so unerwarteten Orten auftaucht. Da waere der Buergermeister, Zedran Fettsack, ein plumper, ungehobelter Narr, der nicht begreift, dass sein Leben mehr wert ist, als sein Reichtum und seine Macht. Und seine Tochter, eines der wunderbarsten Wesen, die dem Licht der Sonne, das auf sie faellt, wuerdig sind. Seien wir doch ehrlich, die meisten Dinge dieser Welt waeren besser fuer immer ins Dunkel gehuellt. Aber sie... ja ich bin verliebt, ich alter Narr. Was heisst alt? 25 Jahre, dass war nicht alt, vor dem Nadir, ist es eigentlich auch heute nicht, aber ich fuehle mich so, und ich habe wahrscheinlich recht. Heute fuehlt man sich alt, sobald man die Augen aufschlaegt.

Sie muessten bald hier sein. Garantiert haben sie genuegend Informanten in Zedrans Haus. Und wie es heisst: Einmal ist keinmal, zweimal ist Zufall, dreimal ist Absicht. Ungluecklich, dass es in meinem Geschaeft keine Zufaelle gibt, sonst haette ich noch einen Fehltritt gut. Es ist Zeit, dass ich mich in mein bescheidenes Domizil begebe, um meine Gaeste gebuehrend empfangen zu koennen, aber es wiederstrebt mir, aufzustehen und die Sonne zu verlassen. Die Sonne...



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